Wann hast du in der Firma angefangen und als was?
Das weiß ich noch ganz genau – am 1. April 1985. Damals waren es ca. 60-70 Mitarbeiter, erinnert sich Sepp. Ganz am Anfang war ich in der Vorisolierung tätig – Rohre schäumen und Formteile herstellen. Anschließend habe ich mich als Urlaubsvertretung und Aushilfs‑LKW‑Fahrer beworben.
Wie bist du damals zur Firma gekommen?
Ich kannte unsere Senior Chefin über meinen damaligen Ausbildungsbetrieb. Ich habe einfach angerufen, mich vorgestellt und persönlich vorbeigekommen. Einen klassischen Lebenslauf, den ich vorher geschickt habe, gab es nicht. Das lief damals einfach alles anders und vielleicht einfacher als heutzutage, schmunzelt er. Mein Arbeitsweg beträgt nur rund 1,5km, diesen legte ich Sommer wie Winter immer mit dem Fahrrad zurück.
Wie ging es nach deinem Start weiter?
Es war sehr abwechslungsreich. Ich war zu Beginn in verschiedenen Bereichen im Einsatz – Vorisolierung, Plattenmaschine, Schläuche. Anschließend habe ich mich eben als Aushilfs-LKW Fahrer gemeldet und durfte dann auch fahren. Ich habe damals den ältesten LKW bekommen, den es gab. Baujahr 79 und 650.000 km wurden damit bereits gefahren. 1986 habe ich dann fix ein Fahrzeug übernommen und bin beim LKW geblieben. Anschließend bekam ich aber den neusten LKW. Diesen fuhr ich weitere 20 Jahre und stolze 1,2 Millionen Kilometer weit.
Gibt es eine Tour, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja, an eine Tour kann ich mich ganz besonders erinnern. Es war eine Lieferung am 28.10.2008 zur Franz‑Josefs‑Höhe am Großglockner. Ich bin ein absoluter Naturmensch und dass zu sehen, war landschaftlich einzigartig und etwas ganz Besonderes. Ich fuhr damals aus Lienz rauf und die andere Seite Richtung Zell am See wieder runter. Es war eine Tagestour mit 3 verschiedenen Entladestellen und war fahrerisch absolut anstrengend, aber das war es wert.
Hast du eine Lieblingstour oder ein Lieblingsziel?
Eine klassische Lieblingstour gibt es nicht – ich mag die Abwechslung. Besonders schön waren schon immer Bergstationen, Hütten wie die Wedelhütte im Zillertal oder Touren nach Verona. Ganz am Anfang hatten wir noch viele Messen, da wurde ich immer mit eingeteilt und durfte Material zu den Messen fahren. Das war auch eine willkommene Abwechslung. Generell ist es teilweise bei den gleichen Baustellen innerhalb weniger Wochen schon unterschiedlich. Der Baufortschritt geht schnell und die Möglichkeiten zum Abladen ändern sich natürlich mit.
Wie viel warst du früher unterwegs?
Früher waren es oft Zwei‑Tages‑Touren durch ganz Österreich, nach Norddeutschland oder in die Schweiz. Heute ist man meist am selben Tag wieder zu Hause. Beides hatte seine Vor- und Nachteile. In jungen Jahren war es etwas besonders länger weg zu sein. Mit dem Alter schätzt man sein Zu Hause und die vertrauten 4 Wände daheim noch viel mehr. Auch muss ich sagen, hatte ich in all den Jahren keinen Unfall. Einmal hatte ich ein Panne in der Schweiz, aber das war auch schon alles.
Was hat sich in den letzten 40 Jahren am meisten verändert?
Der Verkehr hat stark zugenommen. Früher war es entspannter – auf der Straße und auf den Baustellen. Heute ist mehr Stress und weniger Zeit. Ich versuch dennoch immer ruhig zu bleiben beim Fahren. Es bringt nichts, zu hetzen und dann vielleicht noch einen Unfall zu bauen. Und die LKW´s natürlich auch. Heute sind es wahnsinnig moderne Fahrzeuge, damals auch, sonst würde ich nicht so lange fahren, aber die Veränderung der Fahrzeuge ist doch positiv zu betrachten. Zu meinen Anfangszeiten lief die Navigation noch mit Straßenkarten und Stadtplänen. Das ist heutzutage natürlich wesentlich leichter.
Welchen Rat gibst du jungen Kolleginnen und Kollegen mit?
Interesse und Leidenschaft sind absolut ausschlaggebend für unseren Beruf. Bevor ich LKW-Fahrer wurde, hatten wir keinen Werksservice wie wir ihn heute haben. Wir haben kleine Fehler selbst behoben. Das funktionierte recht gut und man konnte jeden Tag etwas lernen.
Was wirst du in der Pension am meisten vermissen und würdest du deine Steinbacher Karriere immer wieder so machen?
Ich werde natürlich meine Kollegen vermissen. Der Zusammenhalt unter uns LKW-Fahrern und auch alle dafür beteiligten Personen war immer extrem gut. Ich bin sehr gerne auf Arbeit gekommen. Auch unsere Veranstaltungen wie das Skibergsteigen zum Harschbichl, der Koasalauf und de Radltouren waren immer ein guter Austausch auch abseits des Arbeitsalltags. Das habe ich immer sehr genossen und war auch immer gerne bei allem dabei.
Ich würde alles wieder so machen. Ich hatte nie das Gefühl hier nicht willkommen zu sein oder meine Arbeit nicht wertgeschätzt zu bekommen. Es hat immer alles gepasst. Wenn meine Pension kommt verlasse ich die Firma mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich freue mich natürlich auf meine neue Freizeit und nutze diese viel am Berg.
Also überall wo ich mit dem LKW nicht hinkam, fahre ich nun mit dem PKW und meinem Fahrrad hin 😁



